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Ursem 
  01.02.2010 

Leitstandsysteme im Holzbau 

 
Der Spezialist für Holzbausystemtechnik WEINMANN mit Sitz in St. Johann-Lonsingen bietet eine breite Palette ausgereifter Fertigungslösungen an – insbesondere für den Holzrahmenbau. Die automatischen oder automatisierten Fertigungstechniken können zu Produktionsstraßen nach den werksspezifisch vorliegenden Bedürfnissen verknüpft werden.

Die Steuerungsinformationen für jede einzelne Fertigungseinheit von Produktionsstraßen im Holzbau liefern die Konstrukteure. Sie erstellen mit Hilfe eines CAD-Systems Datensätze, die die Fertigungseinheiten dazu bringen, genau die Arbeiten auszuführen, die zur Produktherstellung notwendig sind. Doch hinter dieser einfachen Strategie verbergen sich komplexe Aufgaben. Die Informationen müssen zur richtigen Zeit zusammen mit dem richtigen Material an der richtigen Fertigungsmaschine erscheinen. Darüber hinaus lebt eine Produktlinie von optimierten Zeitabläufen und Material sparenden Abläufen - natürlich bei jedem einzelnen Bauprojekt. Den Betreiber sollte eine Übersicht über den Stand aller Projekte in Form einer Visualisierung unterstützen. Hilfreich wäre auch die Information, zu welchem Zeitpunkt welche Bauteilgruppen fertig gestellt sind. Automatische Anpassungen von Konstruktionsdetails auf vorhandene Maschinencharakteristiken eliminieren schmerzhafte Stillstandszeiten. Es reicht nicht aus, wenn Datensätze den formalen Voraussetzungen genügen. Sie müssen auf die vorhandene Fertigungsanlage zugeschnitten sein. Sie müssen punktgenau passen, damit während der Produktion kein Stillstand auftreten kann. Für diese Aufgaben existieren Hilfsmittel: Leitstandsysteme, die für die Optimierung in der Fertigung sorgen. Doch Fertigungen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Deshalb gehört ein Leitsystem individuell auf die örtlichen Anforderungen zugeschnitten. Es orientiert sich an der Produktausrichtung, an der Maschinenausstattung sowie an den Konstruktionsergebnissen. Nachfolgend wird eine Konfiguration des Leitsystems von GranIT, einem Softwarespezialisten für grafische und numerische Informationstechniken mit Sitz in Pfullingen skizziert, welches bei dem Bauunternehmen Ursem Bouwgroep B.V. in den Niederlanden im Einsatz ist.
Das Unternehmen Ursem wurde 1939 gegründet und erstellt unter anderem schlüsselfertige Bürogebäude, Schulen, Krankenhäuser oder Pflegeheime. Die Bauprojekte werden aus einzelnen in sich geschlossenen Einheiten, den so genannten Units zu einem Gesamtkomplex zusammengesetzt. Diese individuellen Units lassen sich beliebig miteinander kombinieren. Ursem fertigt pro Jahr etwa 1250 Units, wobei Gebäude aus 20 oder aus bis zu 500 Units zusammengesetzt sind.
Die von WEINMANN Holzbausystemtechnik für Ursem konzipierte Fertigungsanlage umfasst eine Säge-Lager-Kombination ‚HBV robotic’, ein Balkenbearbeitungszentrum ‚WBZ’, eine Riegelwerkstation ‚WEM’, eine Multifunktionsbrücke ‚WMS’, die drei Arbeitstische bedient, drei automatische und einen manuellen Verfahrwagen und dazu noch mehrere Handarbeitsplätze. Als Besonderheit haben sich die Betreiber einen Bereich - „Blue Box“ genannt  - ausgedacht, in dem beliebige Bearbeitungsschritte konfigurierbar sind.
Diese neue Produktionsanlage musste in einer bereits vorhandenen Halle untergebracht werden. Ursem hatte dank seiner langjährigen Erfahrung genaue Vorstellungen über den Fertigungsablauf und über die notwendige Fertigungskapazität.
Für die Planer bei WEINMANN stellten die unverrückbaren Randbedingungen, bestehend aus den räumlichen Abhängigkeiten sowie dem notwendigen Fertigungsdurchsatz, sehr hohe Anforderungen dar. Darüber hinaus erwarteten die Betreiber noch die große Flexibilität im Bereich der „Blue-Box“.
Bei der Planung kristallisierte sich dann heraus, dass der geforderte Durchsatz nur mit sehr guten Tischbelegungen erreicht werden konnte. Das führte schon frühzeitig zu der Überlegung, ein Leitstandsystem zu verwenden. Denn die Fertigungsoptimierung im Leitstandsprogramm erzeugt optimierte Multiwände (Multidecken-Multiböden), was für eine optimale Tischauslastung Voraussetzung ist. Die Multielemente entstehen aus Elementen mit gleichem Weg im Umlauf und gleichen Dicken- und Höhendimensionen sowie gleicher Beplankungsart. Die Voraussetzungen zur Erzeugung von Multiwänden regelt das Leitstandsystem automatisch.
Die räumlichen Vorgaben und die erforderliche Flexibilität in der Fertigung erforderten darüber hinaus viele Verzweigungen in den Fertigungsabläufen, die natürlich den Gesamtüberblick erschwerten. Auch dieser Gesichtspunkt deutete auf einen Leitstandsystemeinsatz hin. Das Leitstandsystem bildet die gesamte Fertigungsanlage auf dem Bildschirm ab und zeigt dem Betreiber zu jeder Zeit an, welches Bauteil an welcher Bearbeitungsstelle bearbeitet wird, welche Bauteile als nächstes an der Reihe sind und welche Bauteile in den Lagerplätzen auf die Weiterbearbeitung warten. Das Leitsystem ordnet jeder Bauteilart einen Durchgangsweg durch die verschiedenen Fertigungsmaschinen zu. Doch die Fertigungstaktzeit lässt sich noch weiter optimieren. Eine optimale Austaktung der Arbeitsplätze kann bei unterschiedlichen Arbeitszeiten an einzelnen Arbeitsstätten durch Pufferplätze erreicht werden. Aber Pufferplätze bedingen Lagerverwaltungsaufgaben. Das Leitstandsystem regelt die Lagerverwaltung und vergibt die entsprechenden Fahraufträge an die automatischen Verfahrwagen.
Die Auftragssteuerung der Units, also die Raumeinheiten, aus denen das Bauprojekt zusammengesetzt wird, wurde logischerweise ebenfalls dem Leitsystem übertragen. Die Produktionsreihenfolge der Units gibt der Planer vor. Doch die Produktionsreihenfolge der einzelnen Elemente wird vom Leitstandsprogramm aufgrund der Unit-Reihenfolge und der hinterlegten Durchlaufzeiten festgelegt. Das Leitsystem steuert die Fertigungsreihenfolge nach den verlangten Fertigungsendzeiten.
Die Umlaufsteuerung steuert die Produktionslogik und zeigt die logische Abbildung der Produktionsstätte an. Die Konfiguration erfolgt über eine dokumentierte Schnittstelle, so dass Änderungen in der Produktionslogik, die Erzeugung neuer Produktionsstraßen und der Einbau zusätzlicher Fertigungsmaschinen realisiert werden können.
Das Programmsystem gestattet darüber hinaus die Erstellung von Listen und Begleitpapieren. Wenn vom CAD-System Pläne und Zeichnungen als PDF-Dateien mit dem WUP Datensatz mitgegeben werden, können sie an jedem Arbeitsplatz je nach vorhandener Hardware angezeigt oder ausgedruckt werden. Die vom System verwendeten Informationen eignen sich für statistische Auswertungen.
Das Leitstandsystem wurde in Zusammenarbeit mit den Maschinenherstellern und den Ursem-Mitarbeitern in der Fertigung von GranIT den vorhandenen Gegebenheiten und Wünschen angepasst und installiert. Es gestattet, die geforderte Arbeit sauber, schnell und optimiert durchzuziehen. Produktänderungen oder Verschiebungen können über eine Konfigurationsdatei nachgebildet werden. Das Leitstandsystem bietet offene Schnittstellen an, die eine Anbindung von Fremdsystemen wie ERP-Systeme oder Nachkalkulationsprogramme ermöglichen.
Je variabler die Produkte gestaltet sind, je besser die Produktion ausgelastet werden soll, je gezielter die Übersicht verlangt wird und je mehr Informationen zur Optimierung der Fertigung benötigt werden, umso wichtiger, lohnender und kostensparender ist ein Leitstandsystem.

Sonderdruck aus HOB 1/2-2010
AGT Verlag Thum GmbH, Teinacher Straße 34, 71634 Ludwigsburg.
 
 
 
 
 
 
Anschrift

WEINMANN
Holzbausystemtechnik GmbH

Forchenstr. 50
72813 St. Johann
Deutschland

Tel.: +49 7122 82940
Fax: +49 7122 8294 52066
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